Ein verschwundenes bedeutendes Kloster in Thessalonike : das Philokalles-Kloster


Γ. Ι. Θεοχαρίδης
Abstract

Anlässlich einer Veröffentlichung in serbokroatischer Sprache der griechischen Archaeologin Anna Tsituridu über das Philokalles-Kloster in Thessalonike, welche in den Akten des in Belgrad vom 15-18 Dezember 1979 gehaltenen Symposiums für den Niemaniden Sabbas (den Hl. Sabbas der Serben) erschien, werden zuerst alle ältere und neuere bibliographische Nachrichten über das Philokalles-Kloster, vom Th. Tafel bis R. Janin, zusammengetragen, in der Absicht die Feststellungen der A. Tsituridu mit der Beantwortung der von Ihr ungenügend erörteten Fragen so wie nach dem möglichen Gründer als auch nach der möglichen Baustelle in Thessalonike des Philokalles-Klosters zu vervollständigen.

Nach Auffindung aller in den Quellen vor 1204 mit dem Namen Philokalles erscheinenden byzantinischen Magistrate, eines Manuel und eines Michael Philokalles nämlich im XI. Jahrhundert, wie auch eines Eumathios Philokalles am Anfang und eines Eumathios Philokalles am Ende des XII. Jahr­ hunderts, wird der Privatsekretär (epi tou kanikleiou) des Kaisers Alexios I. Komnenos Manuel Philokalles und nicht der Eparch Eumathios Philokalles am Ende des XII. Jahrhunderts, wie A. Tsituridu meint, als möglicher Gründer des Philokalles-Klosters vorgeschlagen, da er dem Kaiser in seinen von Thessalonike aus geführten Normannenkriegen pflichtgemäss begleitet haben muss und nach dem Ende des zweiten Normannenkrieges (1105-1108) in Thessalonike, sehr warscheinlich, veraltet oder verwundet, verblieben sein und sein Privatkloster, das spätere Philokalles-Kloster, gegründet haben kann.

Zur Bestimmung der möglichen Baustelle des Philokalles-Klosters helfen die zwischen 1303-1317 in Thessalonike stattgefundene Gründungen des ser­ bischen Kralen Milutin, welche uns durch seinen zeitgenössischen Biographen, den Archbischof Danilo, bekannt geworden sind und unter welchen sich eine Kirche des Hl. Nikolaos befindet. Diese Kirche ist allem Anschein nach das heutige Kirchlein des Hl. Nikolaos Orphanos in der oberen Stadt, wie es nicht nur von älteren Forschern behauptet, sondern auch wie es heute durch die gründliche Erforschung seiner Wandmalereien seitens der A. Tsituridu mit rosser Warscheinlichkeit festgestellt worden ist. Das kleine Kirchlein des Hl. Nikolaos Orphanos aber, das kein Katholikon, sondern nur ein Pareccleision eines Klosters sein kann, befindet sich heute in einem disproportionel zu sei­ nen Dimensionen grossen Raum, was auf die frühere Existenz eines Klosters dort andeutet. Da aber Kral Milutin sich, wie bekannt, für Orte interessierte, welche mit dem Hl. Sabbas irgend eine Beziehung hatten, könnte dieses heute verschwundene Kloster, in dessen Klosterraum Milutin sein Kirchlein des Hl. Nikolaos errichtete, das Philokalles-Kloster sein, in welchem der Hl. Sabbas nach dem Zeugnis seiner Biographen Domentian und Theodosios in den Jahren 1201 und 1219 länger verblieb und welches er reichlich beschenkte.

Was die heutige Benennung des Kirchleins als Hl. Nikolaos Orphanos, d.h. der Waisen, betrifft, diese soll eher der Funktion eines Waisenhauses irgend wann in den Zellen des Klosters nach der lokalen Überlieferung als einem Gründer mit dem Zunamen Orphanos nach der schlechtbegründeten Meinung des A. Xyngopoulos zugeschrieben werden. Die ehemalige Existenz eines Waisenhauses in diesem Ort unterstützt auch noch die Gründung in der Nähe eines türkischen Waisenhauses später, dessen veraltete Bauwerke noch heute im Schulhof des Dritten Knabengymnasiums stehen.

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